Das große Krabbeln – Tagebuch einer Schädlingssuche


3. April

Im Zuge der Sammlungspflege wurden von Praktikanten der Restaurierung in der Schausammlung auf einer Fensterbank drei tote Käfer gesichtet. Insekten in der Umgebung von Exponaten lösen bei den meisten Sammlungsbetreuern schnell die Alarmglocken aus. Doch drei tote Käfer auf einer Fensterbank bedeuten nicht gleich einen sammlungsgefährdenden Schädlingsbefall. Oft gelangen die Tiere durch Zufall in den Innenraum der meist historischen Gebäude und verenden dort. Dennoch, es handelt sich augenscheinlich um Teppichkäfer, potentielle Schädlinge. Trotzdem Zufall?


10. April

Es wurden sechs weitere Käfer auf den Fensterbänken und in einem Spinnennetz gefunden. Direkt nach dem ersten Fund wurden Monitoringfallen bestellt und ausgelegt. Das Aufsichtspersonal wird darum gebeten, die Augen nach weiteren Käfern offen zu halten.



17. April

Seit der Bitte an die Kollegen, sich auf Spurensuche zu begeben, treffen täglich Funde ein: Insekten aller Art in Tictac-Dosen, Handybilder von toten Stechmücken und eine Kellerassel, sorgfältig in ein Taschentuch gewickelt. Die Recherchen laufen heiß: Was fressen die Insekten? Befinden sich die Materialien der Exponate auch auf den Speiseplänen? Hinter einer Wandverkleidung wird nun eine Lichtfalle aufgestellt, die nachts als attraktives Willkommensschild für alle möglichen Insekten dient.







05. Mai

Nachdem der Ausstellungsraum durch das sehr wachsam gewordene Personal von allen toten Insekten befreit worden war, die seit der Eröffnung 2012 allen Staublappen trotzen konnten, ebbt die Aktivität im „Insektenfundbüro“ ab. Tatsächlich fand sich die Quelle der Schädlinge in einem nahegelegenen Depotraum, in welchem organisches Material für didaktische Führungen gelagert wurde.

Jenny Wölk und Anna Emerson
Landesmuseum Württemberg