Besucher und Nicht-Besucher

Besucher und Nichtbesucher - Warum eine Auseinandersetzung mit beiden Gruppen Museen weiterbringt

Unter dem Motto „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“ stellt der Internationale Museumstag 2018 den Museumsbesucher in den Fokus – aber auch an die sogenannten Nicht-Besucher/innen, also Menschen, die in ihrer Freizeit eben nicht ins Museum gehen, wird gedacht.


In der experimentellen Veranstaltungsreihe "Museum 2061 - Das Museum der Zukunft beginnt jetzt" veranstaltet der Museumsbund Österreich dieses Jahr einen "(Nicht-)Besucher/innen-Schwarzmarkt". Foto: Berhnard Stadlbauer/Museumsbund Österreich
Passend zum Thema veranstaltet der Museumsbund Österreich im Salzburg Museum am 26. April 2018 den „Schwarzmarkt der (Nicht-)Besucher/innen“ im Rahmen der experimentellen Veranstaltungsreihe „Museum 2061 – Das Museum der Zukunft beginnt jetzt“. Es wird eine Gesprächsrunde geben, bei der Museumsmitarbeiter mit Besucher/innen und Nicht-Besucher/innen ins Gespräch kommen sollen. Sabine Fauland, Geschäftsführerin des Museumsbundes Österreich, erklärt, was sie sich von den Gesprächen mit den beiden Gruppen erhofft:

„Ich denke, dass sich für jede Museumsmitarbeiterin und jeden -mitarbeiter das Gespräch mit Museumsbesucherinnen und -besuchern wie mit jenen, die nicht oder nicht mehr ins Museum gehen, lohnt. Die Wünsche der Besucher/innen stehen im Museum immer noch zu selten im Mittelpunkt – allein wenn ich daran denke, in wie vielen Tausend Besucher/innenbüchern ich schon gelesen habe, dass es an Sitzmöglichkeiten in den Ausstellungen mangelt, und fast jedes Mal, wenn ich selbst ein Museum oder eine Ausstellung besuche, muss ich wieder feststellen, bequem sitzen oder überhaupt sitzen – daran wird meistens nicht gedacht. Ich bin nicht dafür, den Besucher/innen die Programmgestaltung zu überlassen – ‚Sie wünschen, wir spielen!‛, das ist nicht die Devise –, aber ich hoffe doch sehr, dass sich Museen auch als Dienstleistungsunternehmen sehen und entsprechend auf das Besuchserlebnis den Fokus legen. Das Volkskundemuseum Wien sieht sich beispielsweise als ‚Useum‛ – Museen sollen benutzt werden! Daran sollen Gesprächsrunden wie diese die Museumsmitarbeiter/innen erinnern.‟

Für die Gesprächsrunde im Salzburg Museum überhaupt Teilnehmer aus der Reihe der Nicht-Besucher/innen zu akquirieren war, so Fauland, nicht einfach. 600 E-Mails hat der Museumsbund Österreich dazu an Stadtkommunikationsstellen geschickt, dabei aber hauptsächlich Rückmeldung von Museumsliebhaber/innen erhalten. „Ein paar wenige sind dabei, die sich als Museumsmuffel sehen oder schon länger nicht mehr im Museum waren. Immerhin!‟

Wer aber sind überhaupt diese sogenannten Nicht-Besucher/innen und warum interessieren sie sich nicht für Museen? Forscher wie Thomas Renz sehen die Gründe in falsch erlerntem Wissen über die Institution, negativen Erlebnissen bei Museumsbesuchen in der Vergangenheit, örtlichen Entfernungen und unpassenden Öffnungszeiten. „Das Finanzielle stellt meines Erachtens kein Problem dar, wenn das Erlebnis stimmt‟, meint Fauland.

Dazu sollten sich Museen ihrer Ansicht nach mehr Gedanken über ihre Besucher/innen machen: „Sie sollten dafür sorgen, dass diese ein rundum gutes Erlebnis haben, dann läuft man vielleicht gar nicht Gefahr, neue Nicht-Besucher/innen zu schaffen – machen Schüler/innen, Studierende, Familien mit Kindern etc. positive Erfahrungen im Museum, ist es doch recht wahrscheinlich, dass die jungen Menschen Museen auch als Erwachsene besuchen werden.‟

 
Museen öffnen ihre Türen für andere Formate: Im Kunsthistorischen Museum Wien ist 2018 zum fünften mal GANYMED zu Gast - musikalische Kompositionen und literarische Texte inspiriert von der Sammlung der Gemäldegalerie. Foto: KHM Museumsverband/Helmut Wimmer
Um positive Erlebnisse zu ermöglichen, muss das Museum in Faulands Augen ein Ort werden, an dem man sich als Besucher/in gerne aufhält: „Sicher sind Veranstaltungsformate außerhalb des gängigen Vermittlungsprogramms ein guter erster Schritt, um die Angst vor dem Ort Museum zu nehmen, zum Beispiel mit Theater, Musik, Tanz, Film – hier gibt es ja schon vieles! Wer einmal die Schwelle zum Museum überschritten hat und am Ort an sich Gefallen findet, der interessiert sich in einem weiteren Schritt vielleicht auch für Ausstellungen und deren Inhalte ­– wiewohl Museen hier auch endlich kommunizieren sollten, dass das Museum kein Berieselungsbetrieb ist, sondern Besucher/innen sich Inhalte auch erarbeiten müssen, mit wachem Auge und regem Geist. Wir sind kein Video-Streaming-Dienst! Das soll uns aber nicht davon abhalten, in erster Linie gute Ausstellungen mit guten Geschichten und guter Architektur machen zu wollen, um ein Erlebnis zu kreieren, an das man sich erinnert.“

Wer mehr über die Gruppe der Nicht-Besucher/innen wissen möchte, kann dazu eine interessante Studie von Julia K. Starke über die die Nicht-Besucher/innen des Landessmuseums Burgenland kostenfrei beim Museumsbund Österreich bestellen.

Literaturempfehlungen

  • Beckmann, Uwe (Hg.): Das Publikum im Blick. Besucherforschung als Impuls für besucherorientierte Museumsarbeit. Beiträge der Tagung im LWL-Freilichtmuseum Hagen vom 7. bis 8. November 2013. Hagen 2014.

  • Renz, Thomas: Nicht-Besucherforschung. Die Förderung kultureller Teilhabe durch Audience Development. Bielefeld 2016.

  • Starke, Julia K.: Das inklusive Museum. Nicht-Besucher/innen-Befragung Landesmuseum Burgenland. Graz 2017.

  • Wegner, Nora: Publikumsmagnet Sonderausstellung – Stiefkind Dauerausstellung? Erfolgsfaktoren einer zielgruppenorientierten Museumsarbeit. Bielefeld 2015.

 

Katharina Eckstein